Die Europawahl und der Tag danach

Gestern war Europawahl und heute kommt man nirgendwo an Artikeln und Postings zum Thema vorbei. Also nehme ich sie mal als Aufhänger, diesen Blog wieder zu beleben.

Interessant sind ja immer die Kommentare auf Facebook. Die einen weinen, weil der Osten einen radikalen Rechtsruck erlebt, die andern, weil jetzt aufgrund der guten Zahlen für die Grünen das Benzin teurer wird. Bei fast allen Kommentaren habe ich das Gefühl, dass niemand den Unterschied zwischen Kommunal- und Europapolitik versteht.

Der Rechtsruck in Europa macht mir Sorgen. Ich fühle mich schon seit geraumer Zeit um etwa neunzig Jahre zurückversetzt und frage mich, wie es dazu kommen konnte. Eines der Themen, die ich hier nach und nach weiter beleuchten will.

Das andere große Thema, das uns allen meiner Meinung nach viel zu wenig Sorgen macht, ist der Klimawandel und generell unser Umgang mit der Natur. Plastik ist ein Teil davon, aber auch unser viel zu sorgloser Umgang mit endlichen Ressourcen, unser Fahrverhalten, was “mal eben für eine Gurke mit dem Auto in den Supermarkt” genauso einschließt wie den Flug in den Urlaub.

Alles in allem müssen wir alle (und damit meine ich wirklich alle Menschen, alle Nationen, eben wirklich alle auf diesem Planeten) sehr gründlich überdenken, wie wir in Zukunft leben wollen, wenn wir diese Zukunft lebenswert erleben wollen. Oder überhaupt erleben – es gibtModelle, nach denen die Menschheit sich in den nächsten 80 Jahren mit einer 5%igen Wahrscheinlichkeit komplett abgeschafft hat.
80 Jahre. Das erlebe ich nicht mehr, aber mein Patenkind mit einer nicht ganz geringen Wahrscheinlichkeit schon. Viele Kinder von Freunden ebenfalls.
Wollen wir das? Wollen wir unbedingt heute noch auf die Seychellen jetten, weil sie ja bald im Meer versinken – und damit genau das bewirken? Wollen wir uns weiterhin paradox verhalten und damit unseren eigenen Untergang heraufbeschwören?
Ich will das nicht. Aber ich bin auch keine Jeanne D’Arc der Moderne, keine Greta Thunberg, keine Einsiedlerin im Wald, die auf alles verzichtet, was unser modernes Leben ausmacht.
Ich will einfach nur im Kleinen schauen, was ich leisten kann. Häufiger das Fahrrad nehmen. Keine Sachen kaufen, die ich nicht wirklich brauche. So wenig Plastikmüll verursachen, wie mir möglich ist. Mehr Upcycling, mehr Second Hand, mehr Sharing. Weniger Konsum und Verbrauch. Je älter ich werde, desto sicherer bin ich mir, dass wir mit dem weltweiten Wirtschaftswachstum Probleme verursachen, die wir noch immer nicht überschauen können.
Ich möchte Zusammenhänge sehen und verstehen und im Idealfall auch anderen aufzeigen, die dann vielleicht auch wieder mehr überdenken, was sie tun. Und ob das, was sie tun, wirklich notwendig oder doch eher Luxus auf Kosten anderer ist.

Ganz wichtig ist mir, dass es kein absolutes Richtig gibt. Keine Perfektion auf allen Gebieten. Kein Mensch kann zu 100% so leben, dass er absolut keinen Schaden anrichtet. Daraus darf man aber eben nicht “dann ist es ja auch egal” ableiten (die “Ganz oder gar nicht”-Falle), sondern man muss viel mehr daraus ableiten, dass jeder noch so winzige Schritt zählt.
Ich nutze seit ein paar Jahren leichte Stoffbeutel für mein Obst und Gemüse. Die sind aus Kuntfaser, was nicht ideal ist, aber besser, als bei jedem Einkauf diese dünnen Plastiktüten zu benutzen. Seit kurzem habe ich einen Brotbeutel als Baumwolle, so dass auch die Papiertüten wegfallen. Für Kaffee unterwegs habe ich einen Edelstahlbecher, der mich auf meinen Reisen begleitet. Es sind diese Kleinigkeiten, die einen Unterschied machen. Und es ist die Summe vieler, die ins Gewicht fällt. Und vieler Tage. Wenn ich früher im Jahr vielleicht 100 dieser dünnen Plastiktüten für Obst und Gemüse benutzt habe (vermutlich waren es mehr), dann sind es jetzt vielleicht noch zehn, weil ich mal meine Beutel vergesse. Wenn es hundert Menschen so geht, dann sind das 9000 Tüten weniger im Jahr, die im Müll landen.

Habt keine Angst vor Veränderung, probiert es einfach aus. Und gebt nicht auf, wenn es mal nicht funktioniert. Lieber ein paar Mal scheitern, aber weitermachen, als ganz aufzugeben. Muss ich mir auch hin und wieder sagen.

Und was die Wahlergebnisse angeht, gilt das auch: Wir dürfen nicht aufgeben. Es ist erschreckend, dass unser Land streckenweise sehr rechts eingestellt ist, aber das heißt nicht, dass wir alle es sind. Es heißt aber sehr wohl, dass wir etwas tun müssen. Dringend. Denn die Ereignisse der Jahre 1933-1945 dürfen sich nie wieder wiederholen. Nicht einmal im Ansatz.

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